30er Jahre: Der Herrmanns Wieser

 

30er Jahre  Als die Tore zugenagelt waren

Sie hatten alle Angst vor ihm. Die Rede ist von der Gerolzhöfer Torwart-Legende Franz Herrmann (Jahrgang 1906). Er stand in den 30-er Jahren beim FC Gerolzhofen zwischen den Pfosten und war mit seiner Größe von rund zwei Metern eine Riese im Kasten, stieß im Stehen fast mit dem Kopf an die Latte.
Obwohl er ein absolut fairer Sportsmann war, wagten es nur wenige, sich aufgrund seiner hünenhaften Erscheinung mit ihm auf dem Spielfeld anzulegen, zogen lieber zurück, als sich der Gefahr des Zusammenpralls auszusetzen, berichten Zeitzeugen.
Sein Spitzname rührte nach der einen Version daher, dass die Kinder der Familie Herrmann als die „Herrmanns Wieserli“ bekannt waren. Erstmals aufgetaucht ist der Name wohl zu der Zeit, als Franz Herrmann kurzzeitig in Karlstadt wohnte, wo seine Frau her stammte. Später wurde dann angesichts seiner Größe aus dem „Herrmanns Wieser“ eines Tages der „Herrmanns Rieser“.
Die andere Version besagt, dass der alte Sportplatz des FC Gerolzhofen seinerzeit auch als Wiese bezeichnet wurde. Und weil der Hermanns Franz alle stehen ließ und dann den Ball ins Bohnenstangentor jagte, habe er den Namen „Wieser“ bekommen, erinnert sich Heinrich Köhler.

Rapid-Wieser stand nicht Pate
Nichts zu tun hat der Spitzname übrigens mit dem österreichischen Torjäger in den 20er-Jahren, Gustav Wieser von Rapid Wien. Er war mehrfacher Torschützenkönig in der Alpenrepublik.
Die Herrmanns wohnten in der Bleichstraße, also unmittelbar am einstigen Gerolzhöfer Fußballplatz, dem „Säusee“ an der Dingolshäuser Straße (hier steht heute das Hallenbad).
Wie seinerzeit üblich, zog sich der Gerolzhöfer „Wieser“ zu Hause um, um dann schon lange vor dem Spiel auf dem Sportplatz herumzubolzen. Als die Gegner bei ihrer Ankunft erfuhren, dass es sich um den Gerolzhöfer Torwart handelte, hatten sie meist schon „die Hosen voll“, so der Archivar des FC Gerolzhofen, Erwin Kühl.

Es gibt aber auch noch eine andere Anekdote über den Torwartriesen. Zur damaligen Zeit hatten die Tore keine Netze, sondern waren mit Brettern zugenagelt, woher auch der Spruch stammt, das Tor scheint wie zugenagelt.
Bei einem Spiel in Würzburg fragte ein Stürmer den Wieser, wie oft es denn bei ihm an diesem Tag „klatschen“ werde, womit er das Geräusch meinte, wenn der Ball im Tor gegen die Bretter knallt.
Da hat es „geklatscht“.

Als der Angreifer das erste Mal aufs Gerolzhöfer Gehäuse schoss, ließ Franz Herrmann den Ball, der sonst seine sichere Beute gewesen wäre, absichtlich übers Knie ins Tor springen, um daraufhin trocken festzustellen: „Hast Du gehört, wie’s geklatscht hat?“.

Der Wieser spielte übrigens ab 1926 bis 1947, als er noch einmal in der 1. Mannschaft aushalf. Seine Mannschaftskameraden waren in erster Linie Hans Christel, Hans Finster, Hans Ullrich, Martin Götz, Hans Eger, Heiner Rothenanger, Hans Gegner senior, Josef Hermann, Ludwig Dittmeier, der eine Schusterei im Kaiserhof betrieb, Willi Hofmann, ein gewisser Nusser aus Donnersdorf und Karl Ach.
Franz Herrmann starb 1986 im Alter von 80 Jahren.
Sein Nachfolger im Tor des FC war der nicht weniger bekannte Georg Krapf. Auch er stammte wie so manch anderer guter Gerolzhöfer Fußballer zur damaligen Zeit aus der Bleichstraße. Der „Schoppes“, so sein Spitzname, war ebenfalls in ganz Unterfranken wegen seines Könnens ein Begriff und zugleich der „Spaßmacher“ in der Mannschaft. Er war so etwas wie später Sepp Maier, indem er besonders als Imitator von Karl Valentin sein „Publikum“ begeisterte.

Wir danken besonders Lothar Krapf für die Informationen und die Überlassung des
alten Bildes.
Für Text und Recherchen sowie Bild beziehungsweise Bild-Rekonstruktion zeichnet
Norbert Vollmann verantwortlich. Alle Rechte beim Autor.

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