1957: Das Steigerwaldstadion entsteht

 

1957  Das Steigerwaldstadion entsteht

Mit einem großen Fest feierte der FC Gerolzhofen am 10. August 1957 die Fertigstellung der neuen Sportstätte an der Schallfelder Straße. Ein alter Schuttplatz wurde die neue Heimat des Vereins.

Alter Schuttplatz als neue Sportstätte galt lange als illusorisch
Ausschlaggebend für den Entschluss, den Sportplatz zu verlegen, war, dass immer mehr Spiele auf dem „Säusee“ an der Dingolshäuser Straße ausfielen, weil der Platz besonders in den Wintermonaten unbespielbar war. Außerdem entsprachen die Maße (100 mal 53 Meter) nicht mehr den Vorschriften.
Als neues Sportgelände kam der alte Schuttplatz an der Schallfelder Straße in Frage. „Der Anfang 1953 an die Öffentlichkeit heran getragene Gedanke, dort einen Sportplatz zu errichten, fand geringen Widerhall, da man die Entfernung von der Stadt als nachteilig empfand“, berichtete der Steigerwald-Bote. Die Bevölkerung blieb auch dann noch skeptisch, als die Stadt 1953 dem FC ein drei Hektar großes Teilgelände im Erbbaurecht zur Verfügung stellte. Sie glaubte, die Schwierigkeiten dort eine Sportanlage zu bauen, seien zu groß. Bis die Grundstücksfrage gelöst war, vergingen eineinhalb Jahre. Während dieser Zeit waren die Planungen für das 26 000 Quadratmeter große Areal durch Stadtbaumeister Benz bereits im Gange.

Die GI’s rückten mit ihrer Planierraupe an
Richtig los ging es am 24. Mai 1954. An diesem Tag rückten Soldaten der US-Armee, in dem Fall des 35. Pionier-Bataillons, das in Kitzingen stationiert war, mit einer Planierraupe an, um mit den Erdarbeiten zu beginnen. Diese zogen sich über ein Jahr hin und mussten oft wegen schlechten Wetters unterbrochen werden.
„Die Amerikaner schliefen in der Brauerei Gradl, verköstigt wurden sie in der Siedlungsgaststätte Berthold“, berichtet Helmut „Happa“ Schmitt. Gut erinnern kann er sich auch noch daran, wie Mitglieder des FC ab 19 Uhr die Baumaschinen der Amerikaner bewachen mussten. Zu einer Bauverzögerung kam es, als das Straßenbauamt forderte, die Stehränge, die die Amerikaner geschoben hatten, müssen zuerst um zehn Meter nach Osten und dann nochmals um weitere fünf Meter verlegt werden, weil der Knick in der Schallfelder Straße begradigt werden sollte. Komme der Verein dem nicht nach, werde das Amt den Bau nicht abnehmen, wurde mitgeteilt. „Die Amerikaner schimpften, weil sie alles noch einmal machen mussten. Und die Straße ist bis heute noch nicht begradigt“, so Schmitt, der als Dolmetscher fungierte. Als Holzfäller in Kanada hatte er Englisch gelernt.

FC-Idealisten waren häufig mehr auf dem Bau als zuhause
Nachdem die Amerikaner ihre Arbeit beendet hatten, kamen die Mitglieder des FC zum Einsatz. In Handarbeit ebneten sie den aufgeschütteten Boden, der vom Butterwerk-Gelände stammte, ein. Im Steigerwald-Boten war zu lesen, dass die Amerikaner mit ihren Planierraupen über 35 000 Kubikmeter Erde bewegt haben. „Etwa 90 Kubikmeter Steine für die Rollierung der Zufahrtsstraße brach man aus dem nördlichen Teil des Platzes. Für das 70 auf 105 Meter große Hauptspielfeld war die Anfuhr von über 1000 Kubikmeter Humusboden erforderlich, bis der Rasen im Sommer 1956 angesät werden konnte. Dazu kam die Erstellung der Umzäunung sowie die Anpflanzung von Bäumen, Sträuchern und Hecken“, hieß es in der Lokalzeitung. Umgeben war der Platz von einer fünf Meter breiten Aschenbahn. Außerdem gab es Hoch- und Weitsprunggruben sowie den 60 auf 90 Meter großen Ausweich- und Trainingsplatz.
Mit dem Spielfeldbau ging der des Vereinsheims einher. Dieses war ein etwa 26 Meter langes und etwa elf Meter breites Gebäude mit Wirtschaftsräumen, überdachter Veranda mit 120 Sitzplätzen, Jugendzimmer, Umkleideräumen, sanitären Anlagen und einer Drei-Zimmer- Wohnung im Dachgeschoss für den Vereinswirt. „Das Vorhaben erfordert größere finanzielle Anstrengungen. Um seine Durchführung zu ermöglichen, tritt der FC an die Sportfreunde und Gönner des Vereins mit der Bitte um Unterstützung heran, indem Ansichtskarten als so genannte Bausteine angeboten werden“, schrieb die Lokalzeitung. Die Erstellungskosten betrugen 60 000 Mark. Dreiviertel der Baukosten wurden durch Eigenleistung und Eigenmittel aufgebracht. Der Rest durch langfristige, zinslose Darlehen wie zum Beispiel durch den Bayerischen Fußballverband München oder vom früheren FC-Spieler und Gönner, Brauereibesitzer Erwin Hümmer aus Dingolshausen.

Die drei Vorsitzenden an vorderster Baufront
Vor allem die drei Vorsitzenden (Hans Reininger, Richard Vollmuth und Josef Pfister) waren über Monate unermüdlich im Einsatz. Vorsitzender Reininger war zudem immer auf der Suche nach neuen Geldquellen.
Jugendleiter Bernhard Seeger und Schülerleiter Oswald Klebrig waren in den Stoßzeiten mehr im Stadion wie zu Hause, weiß Helmut Schmitt weiter zu berichten. So verputzten Bernhard Seeger und eine Handvoll Jugendspieler (es taten sich vor allem Alfred Wirth, Georg Zorn und Erwin Detsch hervor) das ganze Sportheim in ihrer Freizeit innen. Oswald Klebrig war es auch, der mit einigen Helfern (hier ist vor allem Helmut Schmitt zu nennen) noch letzte Hand an die Aschenbahn legte, während im Sportheim bereits die kirchliche Weihe des Gebäudes stattfand. „Alles in allem eine Anlage, die sich sehen lassen kann und dem Verein und der Stadt Gerolzhofen zur Ehre gereicht“, stand es dann auch schwarz auf weiß in der Festschrift des FC zum 50-jährigen Bestehen.

Alarm: Das neue Stadiongebäude „brennt“
Ab und zu zündeten die freiwilligen Helfer bei anbrechender Dunkelheit in einer durchlöcherten 200-Liter-Tonne Feuer an, um im Schein der Flammen weiterarbeiten zu können. Damals gab es noch keinen Strom, deshalb wurde auch mit sogenannten Karbid-Lampen gearbeitet. Eine besorgte Bürgerin, sie kam mit dem Fahrrad von Schallfeld, glaubte, dass es im neuen Stadiongebäude brennen würde, als sie den Feuerschein der Tonne von der Straße aus sah und alarmierte umgehend die Feuerwehr. Die rückte daraufhin aus und erschien mit einer großen Zahl von Neugierigen im Gefolge im Stadion, wo sich der Feueralarm in Wohlgefallen auflöste.

Später kamen das neue Stadiongebäude mit Tribüne und der dritte Platz dazu
Anstelle des 1957 in Betrieb genommenen Sportheims entstand von 1979 bis 1982 das heutige Stadiongebäude als 1. und 2. Bauabschnitt des Freizeitzentrums Süd. Das dritte Spielfeld oberhalb der beiden ursprünglichen Plätze wurde 1976 angelegt. Wir danken besonders unserem Ehrenmitglied Helmut „Happa“ Schmitt für die Informationen. Als Quellen dienten daneben Berichte in der FC-Chronik sowie im Steigerwald-Bote und in der MAIN-POST.
Für Text und Recherchen sowie die Bild-Reproduktion zeichnet Norbert Vollmann verantwortlich. 


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